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Die Wache (Žudije)
Wer sind die Wächter?
Die
Wache (Žudije) besteht aus den Wächtern, die das Grab Jesus während des
großen katholischen Festtags, der Karwoche bewachen. Dies stellt die
Auferstehung von Jesus dar. Was bedeutet eigentlich das kroatische, doch
ungewöhnliche Wort „žudije“? Das Wort ist griechisch-romanischer
Herkunft und bedeutet wahrscheinlich Jude.
Diesen Brauch aus Loreto in Italien, welcher zu Ostern gepflegt wird,
führte Ante Glušèeviæ zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Metkoviæ ein.
Von dort aus verbreitete sich der Brauch auf die nahe gelegenen
Ortschaften. Mit der Zeit veränderte und passte jede Pfarrei diesen
Brauch an, so dass sich die Bräuche nun wegen ihren ortspezifischen
Elementen untereinander unterscheiden. In einigen Ortschaften trägt die
Wache die Volkstracht dieser Region.
Geschichte und Wachendienst in Vid:
Die Wache von Vid zählt zu den ältesten, sie ist schon seit 1935 tätig.
Bis zu den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts, bewachte sie das Grab
24 Stunden täglich. In den letzten zwanzig Jahren hat sich das geändert
und das Grab wird nur noch während des Gottesdienstes am Gründonnerstag,
Karfreitag und Karsamstag bewacht. Anfangs waren es nur 4 Wächter und
mit der Zeit stieg die Zahl auf 13. 12 Wächter und ein Anführer – als
Judas im Volke bekannt. Sie unterscheiden sich voneinander durch die
Farbe der Trachten. Sie stehen in Gruppen von 4 Wächtern. Rot, Gelb und
Lila, während der Anführer Blau trägt. Jede Farbe symbolisiert einen Ort
in der Pfarrei, aus welchen die Wachen stammen.
Als die Kommunisten am Ende des 2 Weltkrieges an die Macht kamen, in der
Zeit als die katholische Kirche verfolgt wurde, wurden die
Wachemitglieder auch nicht von kommunistischen Provokationen verschont.
Ein hässlicher Zwischenfall passierte als eine Gruppe von Kommunisten an
der Kirche des heiligen Vid (damals die Hauptkirche der Pfarrei) vorbei
lief während die Wache das Grab Jesu in der Kirche bewachte. Einer der
Kommunisten ging in die Kirche rein und begann die Wächter raus zu
scheuchen. In diesem Durcheinander schoss ein Kommunist auch aus der
Feuerwaffe. Die Kommunisten haben es trotz allem nicht geschafft, den
schönen, traditionsreichen Brauch, den das Volk pflegt, auszulöschen, da
das Volk es nicht zugelassen hat, sich von diesem Glauben zu entsagen.
Als römische Soldaten verkleidet, gehen die 13 Wächter mit ihrem
Anführer bzw. „Judas“ am Donnerstag vor Karfreitag zum Altar. Sie
bewachen bewegungslos das Grab auch am Karfreitag und Karsamstag und
lösen einander ab. Während der Abendmesse und der Ostermesse oder der
Mitternachtsmesse am Karsamstag verlassen sie kurz vor 24 Uhr bzw. vor
Ostersonntag ihre Posten und fangen an vor Angst zu zittern. Wenn die
Glocken Ostern ankündigen, stürzen sich die Wächter auf den Erdboden
genau wie die römischen Soldaten vor 2000 Jahren, als sie das Grab Jesu
bewachten. Einige Minuten danach fängt das Kirchenchor das Kirchenlied
Gelobt sei Gott im höchsten Thron zu singen. Nach dem Ende des Lieds
stehen die Wachen auf und bleiben so bis zum Schluss des Gottesdienstes
stehen.
Sie unterscheiden sich von anderen Wachen dadurch, dass sie
nach dem „Stürzen“ während der Mitternachtsmesse, wenn alle aufstehen,
stehen bleiben. Sie bleiben stehen bis zum nächsten Morgen bzw. während
der zwei Morgenmessen in Vid und Prud.
Dies stellt die große Buße dar, da es gar nicht so einfach ist,
regungslos mehr als eine Stunde zu stehen. Daher müssen die Wachen stark
und kräftig sein, um durchhalten zu können. Das Alter ist unbedeutend,
die Wächter können verheiratet oder ledig sein, die einzige
Voraussetzung ist: sie müssen beim Militärdienst gedient haben. Um
die Tradition und den Ernst nicht zu verletzen, müssen die Wächter
gedient haben, weil sie damit zu Soldaten ausgebildet werden, da die
Wachen eigentlich Soldaten sind und sich so verhalten sollten. Das ist
eine besondere Ehre für jeden Mann. Das Interesse ist groß, daher müssen
sie nach der Bewerbung einige Jahre warten, bis sie dran kommen. Die
Wache aus Vid hat auch ihr eigenes Regelwerk oder Abwicklungskonzept
während dieser Tage: sie haben den festgelegten Zeitpunkt, wenn sie
rauskommen, wann die Kollegen abgelöst werden, die feste Reihenfolge
während der Prozession mit bildhaften Skizzen und Schemas, alles wie in
einem echten Regelwerk für Soldaten.
Wieso bleiben die Wachen von Vid auch dem „Sturzzeitpunkt“ stehen? Dies
ist eine Besonderheit der Wache aus Vid, da die Wachen aus anderen
Gemeinden während der Mitternachtsmesse aus der Kirche „flüchten“.
Römische Soldaten, die das Grab Jesu bewachten, verschwanden auch nicht
nach der Auferstehung. Sie blieben und mischten sich unter das Volk, so
wie die Wachen aus Vid an Ostern.
Osterbräuche in Vid:
Osterbräuche stellen die besondere, lange Tradition dieses Orts dar. Vor
der Osterwoche, schmückt die Wache die Kirche (mit Ästen und
Palmenblättern).
Gründonnerstag
– heilige Messe (18 Uhr), letzter Abendmahl des Herren, die Glocken
stehen still bis Ostersonntag. Am Ende des Gottesdienstes wird des
Gottes Marter gesungen und alle Wachen verlassen die Kirche.
Karfreitag
– die Kirchenfeierlichkeiten beginnen um die gleiche Zeit (Dauer: 3
Stunden), danach folgt das Kreuzküssen, wobei sich alle in die Reihe
stellen und zum Kreuz laufen, um es zu küssen und sich vor zu beugen. Am
Schluss startet die Prozession durch den ganzen Ort, die Volkssänger
singen die Marter Gottes. Die Wache bewacht den Šimun – eine Person in
Schwarz, die barfuss läuft und das große, massive Holzkreuz trägt. Wo
dieser Brauch, in dem die in schwarz gekleidete Person das Kreuz trägt,
her stammt, weis keiner, aber er reicht in die Kommunistenzeit zurück
(vor 50 Jahren) als die Pfarreimitglieder auf diese Weise ihre Identität
schützten, um die Schikane der damaligen Regierung zu vermeiden. Wegen
dem großen Interesse, muss man auf den Posten von Šimun ca. 10 Jahre
warten. Am Ende der Prozession kehren alle in die Kirche zurück, wo
gesungen wird (knapp 15 Minuten), womit die Karfreitag-Feierlichkeit
endet. Während der Zeremonie wechseln sich die Wachen ab und an der
Prozession nehmen alle mit.
Karsamstag
– die Feierlichkeiten der Auferstehung beginnen um 23.15 Uhr Die Wache
beginnt mit ihrer Schicht knapp 2 Stunden vorher und löst sich ab.
Danach wird aus der heiligen Schrift gelesen. Einige Minuten vor
Mitternacht verlässt die Wache die Kirche. Die Zeit der Auferstehung
Christi rückt näher (in ein paar Minuten), die Wächter fangen an vor
Angst zu „zittern“. Genau um die Mitternacht singt der Priester Gelobt
sei Gott im höchsten Thron, und die Wachen stürzen sich auf den Boden.
Es folgt das 10-minütige Singen. Am Ende stehen die Wächter auf und
bleiben so bis zum Ende der Messe gegen 1 Uhr stehen.
OSTERSONNTAG
– die erste heilige Messe in Prud (8.30 Uhr), dem zweiten Ort der
Pfarrei, wo die Wachen die ganze Messe über stehen bleiben. In
diesem Ort begann diese Tradition nach der Errichtung der Kirche Crkva
sv. Ivana (Kirche des Heiligen Johannes) 1989. Danach findet der
Hauptgottesdienst in der Pfarrkirche in Vid um 10.30 statt. Während der
Messe findet die Prozession durch den Ort statt. Während der beiden
Messen stehen die Wächter, ohne abgelöst zu werden. Seit Ostersonntag
2003 nimmt die Wache aus Vid an der traditionellen Messe der Wachen in
Vodice, dem Ferienort unweit von Šibenik teil. Dabei beginnt der
Wachen-Umzug durch die Stadt und die Osterbräuche werden vor den
zahlreichen Besuchern aus Kroatien und dem Ausland demonstriert.
Übersetzung:
Übersetzungsbüro TRANSlatio
www.translatio.hr
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